Konzerte
Text von MARTIN HUBER, der während des graduale vocal Konzertes von Sr.Dorothea vorgelesen wurde:
„Wo Liebe ist, da ist Gott“ – das war soeben in der wunderbaren Musik
von Ola Gjeilo, dem „Ubi Caritas“,zu hören.
Nehmen wir uns nun einen Moment Zeit um innezuhalten.
Denn manche Musik entfaltet ihre tiefste Wirkung gerade dann,
wenn man ihr noch einen Moment Raum lässt.
So lade ich Sie nun ein zu einer kleinen Stille –
zu einem Moment, in dem wir spüren können,
was Musik eigentlich mit uns macht.
STILLE
Gregorianischer Gesang ist etwas Besonderes.
Es ist nicht nur schön anzuhören – es wirkt.
Und diese Wirkung ist keine Erfindung, sondern etwas,
das Menschen seit Jahrhunderten bezeugen.
Diese Musik funktioniert anders als moderne Musik.
Sie hat keine dramatischen Höhepunkte, keine Spannung, die sich entlädt.
Stattdessen fließt sie wie ein Strom – gleichmäßig, unverrückbar, wie etwas Natürliches.
Sie folgt den Rhythmen des Atems, nicht denen unserer Ungeduld.
Die Gregorianik lebt vom Atem. Und das ist nicht nebensächlich.
Wo Menschen gemeinsam singen, atmen sie gemeinsam.
Wo wir hörend in diesen Atem hineingenommen werden, verändert sich auch in uns etwas:
Der Atem wird ruhiger. Die Aufmerksamkeit wird weicher.
Das innere Tempo kann sich dem Klang anpassen.
Was eben noch zersplittert war, wird für einen Augenblick eins.
Wenn Sie Gregorianisch hören, verlangsamt sich Ihr Herzschlag. Ihr Nervensystem beruhigt sich. Ihre Gedanken – die sonst so laut sind, so fordernd – treten in den Hintergrund.
Und plötzlich haben Sie Raum für etwas anderes.
Manche nennen es Stille. Andere nennen es Präsenz.
Wieder andere – die Gläubigen – nennen es das Heilige.
Aber das ist nicht nur ein religiöses Phänomen. Es ist etwas Menschliches.
Der Mensch braucht diese Erfahrung: dass es etwas gibt, das größer ist als er selbst.
Dass es eine Ordnung gibt, die nicht von ihm gemacht ist.
Eine Harmonie, in die er sich einfügen kann.
Das tut dem Menschen gut. Es entlastet ihn. Es gibt ihm Halt.
In einer lauten, fragmentierten Welt sehnen sich viele Menschen nach solchen Inseln der Stille. Vielleicht ist das der Grund, warum die Gregorianik seit Jahrzehnten so viele Hörer findet –
auch unter jenen, die nie einen Gottesdienst besuchen.
Denn sie spricht eine Sprache, die älter ist als Worte – eine Sprache der Seele.Gregorianischer Gesang ist, wenn Sie so wollen,
eine Einladung an Ihre Seele, zur Ruhe zu kommen.
Nicht zur Passivität. Nicht zum Nichtstun.
Sondern zu einer anderen Art von Aktivität:
zum Lauschen. Zum Empfangen. Zum Gegenwärtig-Sein.
Das ist auch das Schöne an dieser Musik:
Sie müssen nicht gläubig sein, um das zu spüren.
Sie müssen keinen Glauben mitbringen.
Sie müssen nur zulassen, dass Sie berührt werden.
Eine Frau, die diesen inneren Raum des Lauschens wie kaum eine andere betreten hat,
war die heilige Hildegard von Bingen.
Im 12. Jahrhundert lebte sie als Benediktinerin,
war aber zugleich Prophetin, Dichterin, Komponistin und Heilkundige.
In ihren Visionen erlebte sie den Kosmos als Sinfonie –
als einen lebendigen Klang, der alles durchdringt.
Ihr Hymnus „Ave Generosa“ ist ein Lobgesang auf Maria,
die Mutter Gottes, und doch zugleich ein Preislied auf das Leben selbst,
auf das Weibliche, das Fruchtbare, das in der Schöpfung und in uns allen wohnen kann.
Hören wir noch einmal hinein in diesen Gesang,
der den Abend eröffnete und lassen wir uns ein auf seine archaische Schönheit.
Frauenstimme
Hildegards Musik will nicht belehren – sie will **berühren**.
Sie erreicht uns jenseits von Worten, an einer Stelle, die tiefer liegt
als unser Denken.
Genau diese Erfahrung hat – fast 700 Jahre vor Hildegard –
auch der heilige Augustinus gemacht, einer der großen Kirchenväter
und scharfsinnigsten Denker seiner Zeit.
Er hat in seinen „Bekenntnissen“ jenen Augenblick festgehalten,
in dem die Macht der Musik sein Herz überwältigte.
Er schreibt:
„Wie sehr weinte ich bei deinen Hymnen und Gesängen, tief bewegt von den Stimmen
deiner süß singenden Kirche! Jene Stimmen drangen in mein Ohr,
und die Wahrheit floss mir ins Herz.“
— Augustinus, Bekenntnisse, Buch IX, Kapitel 6, Vers 14
Augustinus beschreibt hier etwas ganz Einfaches und zugleich Befreiendes:
Dass die Musik eine Tür öffnet, die der Verstand allein nicht öffnen kann.
Sie erreicht uns jenseits von Argumenten und Dogmen,
sie berührt uns an einer Stelle, die tiefer liegt als unsere Überzeugungen.
Genau darin liegt das Geheimnis der Gregorianik:
-
Sie predigt nicht, sie singt.
-
Sie argumentiert nicht, sie atmet.
-
Und in diesem Atem kann etwas aufblitzen, das wir das Heilige nennen dürfen –
oder einfach die Erfahrung einer tiefen, friedvollen Mitte,
einer Verbundenheit mit einem größeren Ganzen, das keinen Namen braucht.
Ich lade Sie ein, das weitere Programm mit dieser inneren Haltung mitzuverfolgen.
Lassen Sie die Klänge auf sich wirken, ohne viel zu analysieren.
Vielleicht entdecken Sie in sich selbst eine Spur jener Stille,
die nicht leer ist, sondern erfüllt von einer stillen Gegenwart.
Das ist die Gabe dieser Musik – eine Einladung, die niemanden bekehren will,
sondern einfach Raum schenkt.
Vielleicht nehmen Sie aus dieser Musik keinen klaren Gedanken mit,
sondern eher einen Zustand: mehr Ruhe, mehr Weite, mehr Sammlung.
Auch das wäre viel.
Liebe Freunde der Vokalmusik,
in unserem Sommerprojekt widmen wir uns wieder der a-cappella-Musik – in einem spannenden Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen einstimmiger Schlichtheit und vielstimmiger Fülle:
Gregorianische Themen in ihrer romantischen Wiederkehr – Werke von Liszt, Rheinberger, Duruflé und Gjeilo
Sonntag 05.07.2026 um 17:00 Uhr in der Klosterkirche Unserer Lieben Frau in Offenburg
Leitung: Hanna Schmal
Eintritt frei; Spenden willkommen
Über viele Jahrhunderte prägten gregorianische Gesänge das musikalische Leben der Klöster und Kirchen. Diese einst einstimmigen, archaisch schönen Melodien wurden im Mittelalter gesammelt, notiert und zu einem Schatz, der die europäische Musikgeschichte tief beeinflusst hat.
Im 19. Jahrhundert entdeckten viele Komponisten diesen Ursprung neu. Inspiriert vom wachsenden Interesse an alter Kirchenmusik und getragen vom Geist des Cäcilianismus griffen sie auf die Formen und Motive der Gregorianik zurück – mal als Zitat, mal als klangliche Anregung, mal als bewusste Rückkehr zum reinen a‑cappella‑Ideal.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist Franz Liszts 1865 in Rom entstandene „Missa Choralis“. Sie verbindet romantische Ausdruckskraft mit der Schlichtheit gregorianischer Linien – ein Werk, das trotz seiner Schönheit selten zu hören ist.
Zwischen Teile der Messe stellen wir ausgewählte Motetten und Mariengesänge, darunter Werke von Rheinberger, Duruflé und Gjeilo. Sie alle greifen auf Texte wie Ave Maria, Ave Regina caelorum oder Ave generosa zurück und lassen sie in farbenreichen, modernen oder neoromantischen Klangwelten neu aufleuchten.
So entsteht ein Konzert, das die mittelalterlichen Vorlagen und ihre romantischen Wiederbegegnungen unmittelbar gegenüberstellt.
Sie werden sowohl die historische Kontinuität als auch die überraschenden Kontraste erleben – in einer transparenten, kammermusikalischen Besetzung, die die Feinheiten dieser Musik besonders eindrucksvoll hörbar macht.
Wir freuen uns darauf, Sie bei diesem besonderen Konzert begrüßen zu dürfen.
Herzlichst,
Ihr Ensemble graduale vocal
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Termine
| jeden Montag | 18.00 Uhr Vesper (Einlass 17.50 Uhr), 18.30 Uhr Eucharistiefeier |
| jeden Donnerstag | 17.00-18.00 Uhr Eucharistische Anbetung in Stille |
| jeden Samstag | 18.30 Uhr Eucharistiefeier am Vorabend |
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21.02.2026 21.03.2026 25.04.2026 04.07.2026 12.09.2026 28.11.2026 |
Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche von 20 bis 24 Uhr |
Angebote
| Kirchen- und Klosterführungen |
Lichtzauber in der Klosterkirche
Im Advent 2023 erstrahlte die Klosterkirche mit Hilfe einer Lichtinstallation in einem ganz besonderen Licht. Schillernden Farben und Ornamente hebten die Details des Kirchenraums – von der Silbermann-Orgel bis zum Altar hervor. Acht Minuten dauerte die Vorführung, die das Stadtmarketing Offenburg gemeinsam mit den Ordensschwestern und Baden-Sound auf den Weg gebracht hat. Dazu wurden vier Orgelstücke gespielt. Mit der Lichtinstallation wurde nicht nur ein besonderer Programmpunkt in der Vorweihnachtszeit geboten, es wurde auch das Jubiläumsjahr 200 Jahre Augustiner Chorfrauen in Offenburg gewürdigt. Wer die Lichtshow im Advent nicht live mit erleben konnte, kann die Show hier nochmal ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=he-0N5uaxcE 
